Gardasee – TAG 5 Mehrtageswanderung

heutiges Ziel: Cassone am Gardasee

Seit 2:30 Uhr liege ich wach und finde einfach keinen Schlaf mehr. Mehr als ein kurzes Wegdösen mit anschließendem Herumgewälze kommt nicht zustande. Bis 5:00 Uhr geht das noch so, dann reicht es mir und ich stehe auf. Mir wird schlagartig bewusst, das nun der letzte Tag meiner Tour angebrochen ist.

„Au man – diese wunderbare Stille, dieser erdige Duft des Bodens und dieses unausgesprochene Versprechen von Wahrheit und Klarheit – das alles wird mir nach meiner Rückkehr sicherlich arg fehlen!“

Alle Melancholie hilft jedoch nichts und ich mache mich gedankenversunken an den Zeltabbau und das Packen meines Rucksacks. Nachdem alles verstaut ist, kann es um 5:45 Uhr bereits losgehen.

Wenn alles gut läuft, sitze ich bereits gegen 9:00 Uhr auf einer Fähre nach Malcesine.

Der gepackte Rucksack wird geschultert und bereits bei den ersten Schritten merke ich, dass sich meine Beine und Fußgelenke nicht sonderlich frisch und erholt anfühlen.

„Naja, hast ja auch schon einige Kilometer und Höhenmeter in den letzten Tagen gesammelt. Egal – auf nach Limone sul Garda!“

Nach einem Kilometer wundere ich mich allmählich, dass der Abstieg noch nicht begonnen hat. Wo sind denn die 1.300 negativen Höhenmeter geblieben? Beim Blick auf mein Navigationsgerät stelle ich mit Schrecken fest, dass ich seit meinem Aufbruch in die falsche Richtung gelaufen bin. Zum Glück war es erst 1 Kilometer, den ich nun wieder zurückgehen darf.

„AUFMERKSAMKEIT, Karsten! Reiß Dich nochmals zusammen!“ trete ich mir selber in den Arsch und richte meinen Fokus wieder auf das Hier und Jetzt. Anscheinend war ich doch noch zu sehr in meinen Gedanken versunken.

Um 6:15 Uhr habe ich den richtigen Pfad gefunden und beginne den 5 Kilometer langen Abstieg bis hinunter nach Limone sul Garda.

Das Gefälle ist stellenweise wirklich heftig und mehrmals drohe ich mit dem Fuß umzuknicken oder den Halt zu verlieren.

Der schwere Rucksack tut sein Übriges und wirkt äußerst „wohltuend“ auf meine Knie- und Fußgelenke. AUA AUA …

Kurz vor Limone sul Garda komme ich an einem äußerst idyllisch gelegenen Rastplatz vorbei.

Mehr als ein Foto gönne ich mir hier allerdings nicht und setze den Abstieg fort.

Um 8:00 erreiche ich Limone sul Garda.

Wenig später habe ich auch den Hafen und die Fähre entdeckt.

Mir bleibt noch eine gute halbe Stunde, bevor es um 8:45 Uhr zurück nach Malcesine geht. Ich setze mich einfach auf eine Mauer und sauge die morgendliche Hafenstimmung in mich auf.

Dann geht es los und ich winke Limone sul Garda und dem Gebirge dieser Seeseite noch ein letztes Mal zu.

DerSchulle sagt TSCHÜSS

Bei der Überfahrt kann ich wunderbar beobachten, dass heute wieder  klasse Bedingungen für Wind- und Kitesurfer herrschen.

In Malcesine angekommen, stiefele ich zunächst bis zu einem Lebenmittelladen, um ein paar Brötchen fürs Familienfrühstück zu besorgen.

Um 10:00 Uhr bin ich dann endlich dort, wo am Donnerstagmorgen alles begann – ich stehe erschöpft aber glücklich vor unserer Unterkunft in Cassone.

Meine Frau ist bereits aufgestanden – Junior befindet sich noch im Land der Träume. Ich frage mich bei der Begrüßung meiner Frau, was für einen „Wohlgeruch“ mein Körper wohl gerade verströmt? Die letzte Ganzkörperreinigung liegt schließlich auch schon 3 Tage zurück.

Mit einem recht nüchtern sachlichen „Geht doch noch!“ beurteilt meine Frau den aktuellen Ausdünstungsgrad meiner Poren.

„Hätte schlimmer kommen können …“ schmunzele ich in mich hinein.

Zunächst einmal steht mir nun aber der Sinn nach einer ausgiebigen Duschsitzung. Es sind halt die kleinen Dinge des Alltags, die man nach einer gewissen Zeit der Entbehrung wieder richtig zu schätzen weiß.

Ich merke nun extrem, wie sich das riesige Schlafdefizit, das ich in den letzten Tagen kontinuierlich aufgebaut habe, in mir zu Wort meldet.

Wir frühstücken ausgiebig und dann schaffe ich es noch gerade ins Bett. Die Augen fallen mir augenblicklich zu und ich träume total wirres Zeug. Gegen Nachmittag stehe ich auf und geselle mich ein wenig zu meiner Frau und meinem Sohn, die sich an unserem üblichen Platz am See aufhalten.

Wie ich es mir gestern Abend bereits missmutig müslimümmelnd herbeisehnte, sitzen wir um 20:00 Uhr tatsächlich bei STELLA, unserem Lieblingsresaurant in Cassone. Ich kann es kaum erwarten, nun endlich wieder etwas anderes als Energieriegel, Müsli oder gefriergetrocknetes Tütenessen in meinen Mund zu schieben.

Der Tag neigt sich langsam aber sicher dem Ende entgegen.

Als ich im Bett liege wird mir bewusst, dass die Erlebnisse der letzten 5 Tage erst noch ein wenig sacken müssen. Körper und Geist brauchen nun erst einmal eines – eine sehr große Mütze voll Schlaf.

Gutes Nächtle!

Euer Schulle

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