Gardasee – TAG 2 Mehrtageswanderung

Tagesziel: Durchquerung des Gebirges zwischen Gardasee und Idrosee ( Lago d`Idro)

Idrosee

Gegen 3:45 Uhr ist meine Nachtruhe vorbei. Um 21:45 Uhr war ich in einen äußerst unruhigen Halbschlaf gefallen. Durch die ungewohnte nächtliche Geräuschkulisse um mich herum und eine gewisse innere Unruhe, tauchte ich leider nie richtig in den Tiefschlaf ein.

Noch in den Schlafsack gekuschelt gehe ich die Eckdaten des heutigen Tages durch.

Streckenlänge: 28 km / Höhenmeter insgesamt: 1.900 bergab und 1.250 bergauf

„Eine beschissene Nacht liegt hinter Dir und eine fordernde Strecke vor Dir – das wird sicherlich ein Spitzentag!“

Mit diesem Gedanken im Kopf schlüpfe ich aus dem Schlafsack, koche mir einen Kaffee und beginne zusammenzupacken.

Um 5:45 Uhr bin ich startklar und verlasse die idyllische Wildwiese.

nur noch plattgedrücktes Gras erinnert an Schulle und sein Zelt

Mit erstaunlich frischen Beinen nehme ich die ersten Kilometer Gefälle des heutigen Tages in Empfang und erfreue mich am Anblick des erwachenden Tages.

Sonnenaufgang am Gardasee
Sonnenaufgang am Gardasee

Um 07:30 Uhr erreiche ich in NAVAZZO die Trattoria „Gigli“.

Frühstück in Navazzo am Gardasee

Hier gönne ich mir mein Frühstück und den ersten vernünftigen Kaffee des Tages. Beim Zelten trinke ich immer Instantkaffee, der natürlich nicht an einen frischgebrühten und mit Liebe zubereiteten Kaffee Americano herankommt. Auch die beiden mit Schokolade gefüllten Teilchen schmecken traumhaft und sind sogar noch warm, da sie gerade aus dem Ofen kommen.

Nachdem ich noch schnell meine Wasservorräte wieder auf 4 Liter aufgestockt habe, setze ich den Weg gegen 8:15 Uhr fort.

Recht schnell bemerke ich, dass Wasser heute kein Problem für mich darstellen wird. Mein Weg führt unentwegt an Bächen und Quellen vorbei. Das ist ein wesentlicher Unterschied zum gestrigen Tag und wirkt sehr beruhigend.

Gegen 10:00 Uhr lege ich eine kurze Rast ein, um mein Zelt und meinen Schlafsack in der Sonne zu trocknen. Durch die nächtliche Feuchtigkeit auf der Wildwiese und die entstandene Kondensationsfeuchtigkeit, war vor allem das Zelt recht nass.

Ausrüstung trocknen am Gardasee

Um 11:00 Uhr geht es mit trockenen Plörren weiter.

Anstiege und Gefällestücke wechseln sich immer wieder mal ab.  Die ersten 20 Kilometer des heutigen Tages laufen sich wirklich recht angenehm, wobei sich der Rucksack mit seinen knapp 20 Kilogramm natürlich schon bemerkbar macht.

Folgend ein paar Imressionen von unterwegs:

Um 15:00 Uhr lege ich nochmals eine Rast ein und gönne mir einen Kaffee Americano und eine Cola Zero.

Koffein auf dem Weg zwischen Gardasee und Idrosee
Koffein für den langsam erschöpften Wandersmann

Auf den letzten 5 Kilometern, die runter zum Idrosee führen,  steht mir ein Bergabstück mit 750 negativen Höhenmetern ins Haus. Das ist ein ordentliches Pfund, wenn man bereits ein gewisses Tagespensum im Körper hat. Der schwere Rucksack ist natürlich auch ein Thema, da ungefähr ein zusätzliches Viertel meines Körpergewichts – den Gesetzen der Schwerkraft folgend – nach unten will und abgebremst werden muss.

„Da werde ich meine Trekkingstöcke doch gleich mal ein Stückchen verlängern …“ , was ich jedem Gebirgswanderer nur ans Herz legen kann.

HIER mal ein guter Artikel zum Thema „Einstellung Trekkingstöcke“.

Dann geht es auch schon steil bergab. Das ständige Abfedern der Schritte und die enorme Konzentration, da fast bei jedem Schritt die Gefahr besteht umzuknicken, zehren wieder einmal enorm an meinen Energiereserven.

„Gestern der Mega-Anstieg zum Ende und heute der Mega-Abstieg zum Ende …“ hadere ich ein wenig mit meiner Streckenplanung.

Wenn man mal einen „Lauf“ hat, dann läuft es richtig! An einem Teilstück des Abstiegs versperren Bäume meinen weiteren Abstieg und nun darf ich auch noch krabbeln und klettern.

Zwischendurch erhasche ich aber immer wieder einen Blick auf mein Ziel des heutigen Tages – den Idrosee. Im Vergleich zum riesigen Gardasee ist der Lago d`Idro ein kleines, schnuckeliges Gewässer.

Dann ist es geschafft. Gegen 17:00 Uhr erreiche ich in VANTONE den 4-Sterne-Campingplatz „Azur Camping“. Die haben sogar noch ein Plätzchen für den Schulle und sein kleines Zelt frei.

Nachdem die Formalien geklärt sind und 32,00 EUR den Besitzer gewechselt haben, mache ich mich zu meiner zugewiesenen Parzelle auf.

„32,00 EUR ist schon happig für eine Nacht! Die ganzen Vorzüge des Platzes kann ich eh nicht nutzen. Ich will nur duschen, was essen und schlafen. Dann geht es morgen ja auch schon sofort weiter.“

Bevor ich mich noch weiter über diesen Wucherpreis ärgere, kommt mir in den Sinn, was mir die nette Dame vorhin beim Einchecken versprach.

„Wir haben noch ein ganz schönes Plätzchen für Sie frei!“

Und tatsächlich – als ich die Parzelle gefunden habe, lacht mich wirklich ein schön gestutztes Stückchen Rasen an. Als ich meinen Blick jedoch umherschweifen lasse, stelle ich mit Schrecken fest, dass meine Parzelle genau an den großen Spielplatz des Campingplatzes grenzt.

„Das wird bestimmt eine verdammt ruhige Nacht!“ spukt es mir durch den Kopf und ich bin schon gespannt, ob der Spielplatz am Abend das hält, was er verspricht – Geschrei von Kindern und Rumgegröle von Jugendlichen.

Eigentlich habe ich nichts gegen solch eine Geräuschkulisse, schließlich bin ich selber Vater. Eine hohe Dezibelzahl aus Kinderkehlen ist für mich normalerweise der mustergültige Ausdruck von Lebendigkeit.

Hier liegt es gerade allerdings etwas anders. Ich habe zwei sehr anstrengende und fordernde Tage hinter mir und die letzte Nacht kaum geschlafen. Ich wünsche mir nichts mehr als eine ordentliche Portion Schlaf …

Im Nu ist mein Zelt aufgebaut und eingerichtet.

Ich springe schnell unter die Dusche, muss hierbei ernüchtert feststellen,  dass der Sanitärbereich nicht dem entspricht, was ich unter 4-Sternen verstehe. Der Platz hat allerdings mehrere Sanitärhäuser. Ich kann also nur für das sprechen, was ich genutzt habe. Vielleicht sind die anderen Sanitärhäuser besser in Schuss.

Frisch geduscht husche ich noch schnell in den Supermarkt des Campingplatzes und kaufe mein Abendessen. Mich dürstet es nach Eiweiß. Der süße Kohlenhydrat-Kram, den ich unterwegs die ganze Zeit gegessen habe, hängt mir momentan zum Halse raus.

Ich entdecke im Kühlregal einen Becher Vanille-Joghurt, ein Päckchen Quark und einen Liter Milch.

„That’s it!“ freue ich mich über meinen Fund.

Ich lasse mich mit meiner „Eiweiß-Bombe“ vor meinem Zelt nieder und schütte mir zunächst den ganzen Liter Milch auf ex hinein.

„Ahhhhhhhhhhhhh – köstlich!“ entfährt es mir und innerhalb von weiteren 10 Minuten sind auch Joghurt und Quark vertilgt.

Mittlerweile ist es 19:30 Uhr und ich ziehe mich in mein Zelt zurück. 

„Wenn es planmäßig läuft, bin ich übermorgen am Ledrosee und einen Tag darauf wieder am Gardasee. Was eine Tour!“

Da es noch sehr warm ist, lege ich mich auf meinen Schlafsack und mache es mir gemütlich.

Der Spielplatz hält Wort und es wabert ein ohrenbetäubender Mix aus hellem Kindergeschrei und dem tieferen Gegröle der Jugendlichen über meine Parzelle.

„Jetzt einfach nur die Augen zu machen und bis morgen früh durchschlafen!“

Augenblicklich fallen mir die Augen zu, während mich der Klangteppich in einen unruhigen Halbschlaf wiegt.

Gegen 22:00 Uhr ist auf dem Spielplatz anscheinend „Nachtruhe“ angesagt. Nun wird es ruhig auf dem Campingplatz und ich falle in einen wohltuenden Tiefschlaf.

Das war er – der zweite Tag … und der Dritte folgt in Kürze.

Euer Schulle

Vorwort der Tour: HIER

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